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Donnerstag, 1. juli 2010
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Studienzulagen: eine fortschrittliche Lösung muss her!

Serge Urbany - Die Abschaffung des Kindergeldes für Studentinnen und Studenten ist zuerst einmal keine emanzipatorische Maßnahme, sondern Teil eines Sparkonzeptes und eine Hintergehung des europäischen Sozialversicherungsreglementes zulasten der Grenzgänger.

Zwar sollen dafür jetzt alle in Luxemburg wohnenden Studierenden – neben einem Darlehen – eine nicht rückzahlbare Studienbörse von maximal 6000 Euro im Jahr bekommen. Unabhängig von der Einkommenssituation ihrer Familien können die Studentinnen und Studenten dabei selbst ein „Eigeneinkommen” von bis zu 21.000 Euro haben. Der Staatsrat in seinem gestern veröffentlichten Gutachten ist skeptisch: „Admettrait-on qu’un étudiant issu d’une famille aisée n’a pas de ressources propres, alors que l’étudiant travaillant parallèlement à ses études dispose de revenus personnels?”

Heute hängt die Börse noch vom Einkommen der Eltern ab. Bedenkt man, dass das Kindergeld, die Schulanfangszulage, die „prime de mérite” sowie die Zulagen für mehrere studierende Kinder eines Haushaltes wegfallen sollen, dann werden gerade die Studierenden aus kinderreichen und einkommensschwachen Familien in der Gesamtsumme benachteiligt. Und das obschon Biltgen den Kinderbonus, den er zusammen mit dem Kindergeld abschaffen wollte, jetzt wieder für Studentinnen und Studenten vorsieht. Das versteht der Hochschulminister wohl unter „selektiver Sozialpolitik”!

Die studierenden Kinder der Grenzgängerinnen und Grenzgänger bekommen sowieso kein Kindergeld mehr, aber sie bekommen auch keine Studienzulagen. Und der Kinderbonus wird ihren Familien zwar bei der Steuererklärung im darauffolgenden Jahr vergütet, jedoch sind, wie die Gewerkschaften anprangern, gerade die kleinen Einkommensbezieher, die steuerfrei sind, davon wiederum ausgeschlossen. Die CSV macht eine klientelistische Politik. Die meisten Luxemburger Studentinnen und Studenten werden beim neuen System mehr an nicht rückzahlbarer Börse bekommen.

Eine notwendige fortschrittliche Alternative wird die Autonomie der Studierenden wirklich fördern müssen. Die Studienzulage kann nicht zur Hälfte auf einem Darlehen bei einer Bank beruhen. Und die Rechte müssen an die Arbeit in Luxemburg gebunden sein, nicht an die Residenz. Die Autonomie der Studentinnen und Studenten ist vorwiegend nicht durch das Elternhaus, sondern durch die Verteuerung der Studien und die elitäre Aufnahmepolitik an den „Bologna”-Universitäten in Frage gestellt!

 

Flop in Toronto

Frank Jost - In Deutschland jubeln manche, Angela Merkel habe beim G20-Gipfel in Toronto erreicht, dass die Gesundung der Staatsfinanzen Vorrang haben muss. Das Tageblatt titelt dagegen „Vorrang für den Aufschwung”. Demnach hätte sich Obamas Position durchgesetzt. Was trifft denn nun zu?

Es stimmt, dass Merkel nicht auf die Forderung der Franzosen und Amerikaner eingegangen ist, die Kaufkraft in Deutschland zu stärken. Die Chinesen haben indes leicht nachgegeben, indem sie den Yuan etwas aufgewertet haben.

Offensichtlich ist das G20-Treffen ein Flop auf der ganzen Linie. Bis 2013 sollen die jährlichen Haushaltsdefizite um die Hälfte reduziert werden. Die gesamten Staatsschulden sollen bis 2016 stabilisiert oder reduziert werden. Das ist überhaupt nichts Neues – und auch nicht bindend.

Eine weltweite Bankensteuer, wie Strauss-Kahn sie gefordert hatte, wird es nicht geben. Die Tobin- oder Transaktionssteuer ebenfalls nicht. Die Verschärfung der Kontrollmaßnahmen im Finanzsektor wurde nicht konkretisiert. Die Klimaproblematik hat sich von den Wirtschaftsfragen völlig losgelöst und wurde von den Mächtigen der Welt in der untersten Schublade verstaut. Die Abschlusserklärung von Toronto könnte auch von einem vorherigen G20-Gipfel stammen.

Chiffrieren kann man nur: 584 Gipfel-Gegner wurden verhaftet. Die Ausgaben für die Sicherheit der Teilnehmer waren astronomisch.

Sarkozy freute sich darüber, dass die Bankensteuer für Europa nicht verboten worden sei. Dabei kann der G20 gar nichts verbieten, es ist keine Institution. Es fragt sich nur, wie die Europäer nun mit dieser Steuer umgehen wollen. Sie passt nicht recht in die Dumpingbestrebungen der EU-Staaten. Es steht daher noch offen, ob sie es hinkriegen, die Bankensteuer in Europa zu verallgemeinern. Wenn ja, darf man gespannt sein, wie verschiedene Regierungen, die luxemburgische an erster Stelle, die Bankensteuer anwenden wollen.

Nur nebenbei bemerkt: die Vorgaben, die die G20-Staaten sich in Toronto bis 2013 und 2016 gegeben haben, sind in Luxemburg eigentlich schon erfüllt. Das Austeritätsprogramm der CSV-LSAP-Regierung hat sich also erübrigt und wird wohl wieder eingezogen. (Das war nur ein kleiner Scherz.)

 

Jonk Lénk: FDA gegen arbeitende Bevölkerung!

Die „Fédération des Artisans”, die für sich beansprucht, den sogenannten „Mittelstand” zu vertreten, protestierte am 29. Juni gegen jegliche Erhöhung des Mindestlohns, unter dem Vorwand, es sei dem „Standort Luxemburg” nicht dienlich und würde dem „Mittelstand” schaden. Dabei sind es gerade diese zutiefst unsozialen und menschenverachtenden Forderungen der Funktionäre der Handwerkerkammer (FDA) nach der Beschneidung der Kaufkraft der MindestlohnbezieherInnen, die den ohnehin schon von der Krise getroffenen kleinen Handwerksbetrieben schaden würden.

Wir von „Jonk Lénk” verurteilen solchen „Protest” zutiefst! Der Verzicht auf Lohnerhöhungen dient letztendlich immer nur den Interessen der Unternehmen. Wenn der Mindestlohn nicht regelmäßig den realen Verhältnissen angepasst wird, so droht der arbeitenden Bevölkerung ein massiver sozialer Abstieg und ihre Existenzsicherung wäre nicht länger gewährleistet.

Natürlich ist die Erhöhung des Mindestlohnes keine endgültige Lösung für die sozialen Verwerfungen, die sich weltweit zeigen, doch ist es nötig, dass Errungenschaften, für die Arbeiterinnen und Arbeiter, Auszubildende und Gewerkschaften jahrzehntelang gekämpft haben, mit aller Kraft verteidigt werden!

Den Handerwerkerinnen und Handwerkern legen wir zusätzlich ans Herz, sich nicht von der unsozialen Agenda der Funktionäre der Handwerkerkammer blenden zu lassen.

Wir fordern daher weiterhin konsequent die Rücknahme jeglicher sozialer Abbaumaßnahmen und Privatisierungen und den Ausbau sozialer und demokratischer Rechte für alle Arbeiterinnen und Arbeiter, Studierende, Schülerinnen und Schüler, Auszubildende und Rentnerinnen und Rentner!

Für Sozialismus und Selbstverwaltung!

Mitgeteilt von Jonk Lénk, 29.6.2010.

 

Villeroy & Boch Luxemburg: Das Ende!

Morgen am 30. Juni 2010 wird Villeroy & Boch seine Produktion in Luxemburg einstellen und seine Tore schließen. Insgesamt 118 Arbeitnehmer (von 230 vom Sozialplan betroffenen Arbeitnehmern) mit einem Durchschnittsalter von 47 Jahren und einer durchschnittlichen Betriebszugehörigkeit von 22 Jahren werden sich in der Arbeitslosigkeit wiederfinden. 90 Arbeitnehmer haben eine neue Arbeitsstelle gefunden und 22 werden in den Ruhestand oder Vorruhestand treten.

Der OGBL und der LCGB werden die 118 Arbeitnehmer, die arbeitslos werden, weiterhin in ihren Anstrengungen einen neuen Arbeitsplatz zu finden, unterstützen, falls sie dies wünschen. Übrigens hat Direktor Charles Antoine De Theux bis zum Schluss keinerlei Mitgefühl mit den gekündigten Arbeitnehmern gezeigt.

Villeroy & Boch Luxemburg musste nicht aufgrund der Wirtschaftskrise und auch nicht wegen schlechter Ergebnisse schließen. Es handelt sich kurz und bündig um die Zerschlagung einer blühenden Produktionsstätte ob der schieren Gier der Aktionäre. In der Tat wird diese einer Immobilientransaktion geopfert, es sollen anstelle der industriellen Anlage hochkarätige Wohnungen und Geschäfte entstehen. Man kann also in diesem Fall von einer Industrielüge sprechen.

Der OGBL prangert diesen Kapitalismusexzess, der auf keinerlei Weise die menschlichen Aspekte in einem Unternehmen berücksichtigt, an! Es handelt sich um einen Fall offensichtlicher sozialer Unverantwortlichkeit.

Auch bedauert der OGBL, dass sich der Arbeitgeberdachverband UEL, der seit geraumer Zeit die Tugenden der sozialen Verantwortung der Unternehmen für sich vereinnahmt und auch predigt, nicht zum Fall Villeroy & Boch geäußert hat. Handelt es sich bei dieser Vermarktung der sozialen Verantwortung etwa um eine reine Kommunikationsstrategie?

Mitgeteilt vom OGBL, 29. Juni 2010

 

Die EU und die Krise: Jeder gegen Jeden

Gestern hat die EU-Kommission ihre Vorschläge zur Verschärfung des Wachstums- und Stabilitätspaktes vorgestellt. Geht es nach ihrem Willen, dann müssen die EU-Staaten ihre Budgets künftig in Brüssel abnicken lassen, bevor die Parlamente abstimmen. Länder, die die Verschuldungsregeln des Spar-Paktes nicht einhalten können, müssen um Fördermittel aus den Struktur-, Kohäsions-, Agrarfonds fürchten. Jürgen Klute, Koordinator der Linksfraktion im Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments, ist mit den Vorschlägen von Kommissar Rehn nicht einverstanden:

„Die Kommission muss endlich aufhören, ihre Rezessionspolitik als Wirtschaftsregierung zu verkaufen. Europa krankt tatsächlich daran, dass es an wirtschafts- und fiskalpolitischer Koordinierung fehlt. Ein freier Handelsraum braucht Schutz- und Ausgleichsmechanismen, die einem Wettbewerb à la „jeder gegen jeden” vorbeugen. Entgegen ihrem Auftrag als Vertreterin europäischer Gesamtinteressen wagt die Kommission es weiterhin nicht, die außenwirtschaftliche Rambo-Strategie Deutschlands anzugehen, das durch das hemmungslose Antürmen von Handelsüberschüssen die Entwicklung der gesamteuropäischen Binnennachfrage abwürgt.

Deutschland ist der Hauptverantwortliche für die Schuldenkrise in Süd- und Osteuropa und müsste deshalb mindestens für die Folgen seiner Politik aufkommen. Die Struktur- und Kohäsionsfonds sind der bisher viel zu dürftige Kern des „sozialen Europa”. Statt einer Aussetzung der Zahlungen für Defizitländer bräuchte es eine entschiedene Aufstockung, um das wirtschaftliche Auseinanderfallen der EU zu bremsen. Statt die nationalen Parlamenten ihres zentralen Rechtes zu berauben, nämlich über die Verteilung der öffentlichen Gelder zu entscheiden, müsste jetzt ein europäischer Länderfinanzausgleich eingeführt werden. Ein europäischer Mindestlohn in Höhe von 60% der nationalen Durchschnittslöhne muss verhindern, dass die EU-Staaten sich gegenseitig arm konkurrieren.”

 

Kurz gesagt - en bref

Yann dreht, Serge bläst

„Mir wëllen nët bleiwen”, der sehenswerte Dokumentarfilm, den wir in der letzten Nummer kommentierten, entstand unter der Regie von Yann Tonnar und Pascal Becker. Und nicht von Serge Tonnar, wie wir schrieben. Serge, der Bruder, hat die Musik zum Film gemacht. Wir bitten um Entschuldigung.

Studienzulagen: Stimmen aus der Studentenschaft

Die Studentenorganisation ACEL hat sich intern kritisch mit dem neuen System auseinandergesetzt: http://www.acel.lu/index.php?&article=voteaidefilong&espace=2&menu=19 . Sie hat ihrer Basis die Wahl gelassen, ob sie dem neuen System zustimmt. Nicht unwesentlich ist dabei die soziale Zusammensetzung der luxemburgischen Studentenschaft. Es gibt bereits Proteste seitens der Verlierer des neuen Systems (http://foobar27.blogspot.com/).

Bourses et baisse des salaires de début

„(...) le sytème actuel qui faisait dépendre l’attribution d’une bourse non remboursable (...) du revenu des parents peut être considéré comme peu motivant (...) devoir embourser (...) des dettes qu’on a dû contracter en raison du revenu des parents, peut hypothéquer le début de carrière d’un jeune, ceci d’autant plus qu’un diplôme d’enseignement supérieur ne garantira pas nécessairement des débuts de salaires élevés.” (exposé des motifs du projet Biltgen)
C’est pratique. Le ministre qui augmente (légèrement) les bourses d’étudiants est le même qui propose une baisse des salaires de début de carrière auprès de l’Etat

 

Agenda - agenda

Vendredi 2 juillet, 19 hrs, Salle «Ratelach», Kulturfabrik, 116 rue de Luxembourg, Esch-sur-Alzette: Vendredi rouge: L’index, un acquis social. Nico Wennmacher, ancien président de la FNCTTFEL et membre de la chambre des salariés, parlera de l’histoire de l’indexation automatique des salaires au Luxembourg et dans un contexte international. Entrée libre. Org: déi Lénk.

Samedi 3 juillet, de 10 à 24 hrs, Place Guillaume II et Plateau du St. Esprit, Luxembourg-Ville: Festival world MeYouZik, MeYouVillage avec stands d’info, gastronomie et animations. Entrée gratuite. Org: Ville de Luxembourg, LCTO.

Dimanche, 4 juillet de 12 à 17 hrs, Dudelange, centre de nature Ponderosa, rue de Volmerange (avant le poste de douane: 500 mètres dans la forêt) Fête d’été „Feier a Flam”. Grillades de viande et végétariennes, salades et desserts (prix: entre 5 et 7 euros). Pour les enfants, il y a un terrain de jeux, la forêt et des jeux de rencontre (pas de crèche). Org: déi Lénk.

Bis zum 5. September, Mittwoch bis Sonntag, 14 bis 18 Uhr, Nationales Resistenzmuseum, Esch/Alzette. Ausstellung: „Spott dem Naziregime”. Eintritt frei.

 

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