Madoff-Skandal: Auch Politik Schuld daran!
Frank Jost – Laut der Commission de surveillance du secteur financier (CSSF) waren es 1,9 Milliarden €, die am Standort Luxembourg bei Madoff investiert wurden. Diese Zahl bekräftigt auch die ALFI (die Gesellschaft für Investmentfonds), die eilends eine Pressekonferenz in Paris einberief, um der Andeutung der französischen Ministerin für Wirtschaft und Finanzen zu widersprechen, die französischen Teilhaber an Hedgefonds seien in Luxemburg weniger gut aufgehoben als in Frankreich. Bei der Anhörung in der Kammer war die Rede von 5-7 Milliarden €. Das bestätigte auch le Monde vom 21. Januar.
7 Milliarden €, das wären ungefähr 10 Milliarden Dollar oder 20% des gesamten Madoff-Betrugs, der in Luxemburg abgewickelt worden wäre, der helle Wahnsinn!
Es werden kaum Stimmen laut, dass man das sakrosankte Genie des Bankenministers Frieden, in dessen Kompetenzbereich die Bankenaufsicht fällt, oder des Finanzministers Juncker in Frage stellen könnte. Kaum einer beklagt ihren Zynismus wenn die beiden gegen den Casinokapitalismus geifern, der doch offensichtlich vor ihren Augen und ohne ihren Widerspruch ablief.
Nun steht es schlecht um das Image des Bankenplatzes und keiner sucht die Schuldigen.
Gestern ließ Wirtschaftsminister Krecké bei einer LSAP-Veranstaltung verlauten, auf der die Kandidatenliste im Zentrum vorgestellt wurde, die Krise käme gewaltig und zwar noch vor den Wahlen. Wie gewaltig wird der Niederschlag der Rezession in Luxemburg überhaupt sein? Seit Mitte der siebziger Jahre wurde angesichts der Stahlkrise einseitig auf den Aufbau des Finanzsektors gesetzt, der die einseitig dominierende Stelle der Stahlproduktion einnahm. Nun sind einige kleinere Banken geschlossen; die Zukunft der Generalbank, der traditionellen Kreditquelle für die Klein- und Mittelbetriebe, ist ungewiss, da die Übernahme durch BNP immer noch an einem belgischen juristischen Krach hadert; die Banken insgesamt machen derzeit keine Profite und werden kaum Steuern an den Staat abliefern; die Starprodukte des Bankplatzes, der Fondsindustrie, werden durch den Madoff-Skandal diskreditiert. Welch ein Scherbenhaufen.
Wird ein mögliches Debakel die Menschen mehr verwirren und entmutigen oder werden sie kritischer und darauf bedacht, die Ursachen und die Missetäter aufzudecken?
(Beitrag in goosch.lu Nr. 211; Frank Jost ist Mitglied des Koordinationsbüros von déi Lénk)
Retour à la liste